Lösungsmöglichkeiten

Zur Lösung des Grundwasserproblems auf Kaarster Stadtgebiet werden seit Jahren unterschiedliche Lösungen diskutiert.

Pumpen-Lösungen

Anfangs war vor allem die sogenannte „Große Lösung“ im Gespräch. Darunter war eine vornehmlich hydraulische Lösung (Pumpmaßnahmen) zu verstehen. Neben enormen Kosten war aber auch die Genehmigungsfähigkeit problematisch, da damit in das Dargebot eingegriffen wurde. Nach der damaligen Gesetzeslage durften Ausnahmen zugunsten der Grundwasserregulierung zum Schutze von Wohneigentum nicht gemacht werden. Inzwischen wurde die Gesetzeslage, auch durch den Einsatz von Landrat Patt geändert. Zur Regulierung von Grundwasserspitzen darf nun in das Dargebot eingegriffen werden. Pumpmaßnahmen sind daher grundsätzlich genehmigungsfähig.

Ein hydrologisches Gutachten hat die notwendigen Pumpen auf dem Stadtgebiet von Korschenbroich und Kaarst errechnet, die erforderlich wären, um die gefährdeten Teile trocken zu halten. Auf das Kaarster Stadtgebiet entfallen dafür 3 Pumpen, deren Wirkungskraft aber nicht an die Wirkungen der Nordkanalentschlammung heranreicht.

Patchwork-Lösung

Aufgrund eines Treffens des Landrates Patt beim Ministerpräsidenten in Düsseldorf am 02.05.2003 wurde eine so genannte „Patchwork-Lösung“ befürwortet. Unter „Patchwork-Lösung“ ist dabei zu verstehen, dass das Grundwasserproblem nicht durch eine einzige Lösung komplett beseitigt wird, sondern durch viele Maßnahmen immer weiter verringert wird. Diese Lösung, sofern dies zu einer kompletten Lösung des Problems führen wird, hat den Vorteil, dass gleichzeitig an verschiedenen Teillösungen gearbeitet werden kann, die voneinander unabhängig sind. Teil der Patchworklösung sollten die Nordkanalentschlammung, der Bau eines Vorster Grabens, die Wiederinbetriebnahme des Wasserwerks Lodshof/Waldhütte, die stärkere Wasserförderung im Wasserwerk Driesch sowie die Beratung im Grundwasserberatungsbüro Glehn sein.

Die Nordkanalentschlammung

Nachdem die beteiligten Bürgergruppen monatelang gedrängt hatten, überprüfen zu lassen, ob eine Lösung des Grundwasserproblems eine Instandsetzung bzw. Entschlammung des Nordkanals sein könnte, gab die Stadt Kaarst Anfang 2003 ein Gutachten in Auftrag, das im Folgenden als „Nordkanalgutachten“ bezeichnet und in der Öffentlichkeit bekannt ist. Das Gutachten wurden am 17.09.2003 von Bürgermeister Moormann in einer öffentlichen Veranstaltung im Georg-Büchner-Gymnasium in Vorst der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Gutachten kommt zu den folgenden Ergebnissen:

1. Schon heute, ohne weitere Pflegemaßnahmen, ist der Nordkanal in der Lage, ca. 3 Mio. m³ Grundwasser aufzunehmen und abzuführen. Wird der Wasserspiegel des Nordkanals z.B. durch eine Vertiefung der Sohle gesenkt, erhöht sich damit automatisch der Zustrom des Grundwassers, was zu einer Entwässerungswirkung führt. Für das Gutachten wurden drei verschiedene Varianten der Vertiefung beschrieben, wobei die Variante 2 die aus hydraulischer Sicht die maximal mögliche Vertiefung der Sohle darstellt. Kommt es zur Ausführung der maximalen Version von Variante 2, erhöht sich der Grundwasserzustrom von ca. 3 Mio. m³ auf 9 Mio. m³.

2. Über den Nordkanal können große Wassermassen abgeführt werden. Er ist generell geeignet, als Vorfluter einer Grundwasserabsenkung zu dienen. Auch bei Hochwasser kann dieses schadlos abgeleitet werden. 60% des Abflusses im Nordkanal besteht aus Wasser aus dem Klärwerk Nordkanal.

3. Bei einer längerfristigen Einleitung von Sümpfungswasser aus Nachbargemeinden würde dies zu einer Erhöhung der mittleren Wasserstände im Nordkanal führen. Dadurch würde sich die zuströmende Grundwassermenge dauerhaft vermindern. Ein Ausgleich könnte aber durch eine Absenkung der Sohle erreicht werden.

4. Aufgrund fehlender Daten war es in dem Gutachten zunächst nicht möglich festzulegen, welche Vertiefung des Nordkanalbettes durch eine Entschlammung erreicht werden könnte und ab wann ein Eingriff in den gewachsenen Boden vorliegt. Aus Vermessungsunterlagen von 1970 ergeben sich aber deutlich tiefere Sollagen des Nordkanals, als aus den aktuellen Vermessungsunterlagen aus 1991.

5. Eine Entschlammung würde nach Auskunft des StUA Krefeld (Staatliches Umweltamt Krefeld) als Erhaltungsmaßnahme genehmigungsfrei bleiben, während ein Eingriff in den gewachsenen Boden genehmigungsbedürftig wäre. Zwischenzeitlich ist durch Vermessung belegt, dass es sich bei den erforderlichen Maßnahmen um eine Entschlammung und damit um eine genehmigungsfreie Erhaltungsmaßnahme handelt.

6. Bei der Variante 2 können im bebauten Teil von Holzbüttgen die Grundwasserstände um 30 – 40 cm, in Vorst um 30 cm gesenkt werden. Dabei würden ca. 55 000 m³ Aushubmaterial anfallen. Die Entsorgungskosten können noch nicht beziffert werden, weil diese von der Schadstoffbelastung abhängen, die nicht bekannt ist.

Das Gutachten endet mit der Empfehlung, weitere Untersuchungen im Hinblick auf die Schlammmenge und die Schadstoffbelastung des Schlamms in Auftrag zu geben, um die Kosten ermitteln zu können.

Wasserwerke

Das Wasserwerk Lodshof/Waldhütte liegt auf Korschenbroicher Gebiet, aber im Zustrom des Grundwassers auf Vorst. Eine Entnahme von Grundwasser könnte theoretisch tatsächlich das Grundwasser absenken. Das Wasserwerk Lodshof/Waldhütte ist 2010 wieder in Betrieb genommen worden. Es fördert jedoch lediglich 2 Mio m³ anstatt der genehmigten 4,3 Mio m³ Wasser. Eine damit einhergehende Entlastung ist kaum zu erwarten. Ob das Wasserwerk Driesch tatsächlich mehr Wasser fördert, ist uns nicht bekannt.

Beratungsbüro Grundwasser/Bausphysikalische Lösungen

Das Beratungsbüro in Glehn hat im Jahr 2004 individuell zur Betroffenheit und bauphysikalischen Möglichkeiten für betroffene Hauseigentümer beraten. Wir haben diese Beratung wahrgenommen und protokolliert. Auch wenn sich die Berater sichtlich Mühe gaben, konnten machbare Lösungen nicht angeboten werden. Wir haben daraus die Erkenntnis gewonnen, dass es nachträgliche technische Lösungen, die sicher vor Grundwasser schützen, nicht gibt. Zwar gibt es einige Versuche, ob diese tatsächlich auf Dauer dicht halten ist aber noch unklar.

Zudem hat uns der Bauingenieur darauf hingewiesen, dass bei Häusern, deren Statik nicht auf einen grundwasserdichten Keller ausgelegt sind, bei einer nachträglichen Abdichtung des Kellers – soweit diese gelingt – das Haus auf dem Grundwasser aufschwimmt und dies zu statischen Problemen wie z.B. Setzrissen führen kann.  Bei dünnen, nicht eisenarmierten Bodenplatten, wie sie der Regelfall sind, halten diese in der Regel dem Druck des Grundwasser nicht Stand und brechen. Daher muss neben einer Abdichtung der Wände auch die Bodenplatte zumindest aufbetoniert werden.

Versuche, Häuser anzuheben, sind nach unseren Erkenntnissen gescheitert. Jedenfalls stehen die Kosten von ca. 60.000,- € zzgl. Wiederherstellung der Außenanlagen und Anschlüsse, in keinem Verhältnis zu dem Nutzen.

Vorster Graben

Im Jahre 2004 wurde im Rahmen der Patchwork-Lösung die Idee diskutiert, im Zulaufbereich des Grundwassers, also zwischen Kleinenbroich und Vorst, einen Graben zu errichten, der bei hohen Grundwasserständen das Grundwasser auffängt und über einen unterirdischen Kanal dem Nordkanal zuführt. Obwohl der Vorster Graben für den Bereich Vorst durchaus zu einer Lösung beitragen könnte, wurde dieser Ansatz nicht weiter verfolgt.  In Nordkanalnähe hat auch hier die Entschlammung der Nordkanals die größere Wirkung.

Finanzierungsfragen

Die zwei wesentlichen im Augenblick aktuellen Lösungsansätze sind die Pumpmaßnahmen mit 3 Pumpen auf Kaarster Stadtgebiet und die Nordkanalentschlammung. Die Kosten für beide Maßnahmen sind enorm. Die Nordkanalentschlammung soll nach letzten Berechnungen € 2,44 Mio kosten. Die Kosten der Pumpmaßnahmen liegen ähnlich hoch. Hier kommen aber noch laufende Unterhaltungs- und Betriebskosten hinzu.

Für beide wurde als Finanzierung zunächst auf eine freiwillige Leistung der Bürger im Verhältnis 80:20 gesetzt. Eine freiwillige Finanzierung wird jedoch nicht zu bewerkstelligen sein. Unser Ansatz ist daher ein anderer. Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, die Kosten über Gebühren auf alle oder einen Großteil der Bürger zu verteilen.

Diese Möglichkeit ergibt sich unseres Erachtens aus der Tatsache, dass für die Unterhaltung des Nordkanals der Wasser- und Bodenverband Nordkanal zuständig ist, dessen Mitglied die Stadt Kaarst ist. Wenn Sie sich für die Details interessieren, empfehlen wir einen Blick in den Vortrag und die Präsentation, die wir am 20.01.2011 zusammen mit dem Arbeitskreis Grundwasser des Fördervereins Holzbüttgen im HWFA gehalten haben.

1. Stufe der Finanzierung

Die Pflege des Nordkanals gehört zu den satzungsgemäßen Aufgaben des Nordkanalverbandes. Der Nordkanalverband ist dafür ausschließlich zuständig. Die Entschlammung ist eine typische Pflegemaßnahme, die die Fließfähigkeit des Gewässers sicherstellt. Sie kann daher nach der Satzung durchgeführt werden, wenn der Nordkanalverband einen entsprechenden Beschluss fasst.

Dafür haben die Mitglieder, unter anderem die Stadt Kaarst, dem Verband über Beiträge die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Stadt Kaarst bezahlt diese Beiträge zunächst aus dem allgemeinen Haushalt.  Nach dem Haushaltsentwurf 2011  zahlt Kaarst für alle Wasser- und Bodenverbände in denen die Stadt Mitglied ist, zusammen 95.000,- € Beiträge.

2. Stufe der Finanzierung

Die Stadt Kaarst kann den Beitrag, den sie an die Nordkanalverband bezahlen muss, refinanzieren, indem sie von der in §§ 7, 6 KAG NW bzw. § 91 LWG NW vorgesehenen Möglichkeit Gebrauch macht, die Beiträge über Gebühren auf die Eigentümer der Grundstücke im Verbandsgebiet umzulegen. Auf diese Weise legt z.B. auch die Stadt Willich ihren Beitrag zum Nordkanalverband auf die Bürger um. Etliche andere Gemeinden und Städte machen dies auch für andere Wasser- und Bodenverbände.

Voraussichtliche Kosten

Unsere Berechnungen unter Zugrundelegung der letzten offiziellen Zahlen (2,44 Mio €) zu den Kosten der Entschlammung haben ergeben, dass bei einer Umlage nach Fläche die Kosten der Nordkanalentschlammung einen Grundstückseigentümer für ein normales Einfamilienhaus von 600 m² gerade einmal einmalig 50,- € kosten werden. Diese könnten auch noch auf zwei Jahre verteilt werden.

Kosten der Pumpmaßnahmen

Auch die Kosten der Pumpmaßnahmen könnten auf diese Weise finanziert werden. Erforderlich ist lediglich, dass die Stadt Kaarst in einem Wasser- und Bodenverband Mitglied ist, zu dessen satzungsgemäßen Aufgaben die Regulierung des Grundwassers gehört. Dazu könnten entweder die Aufgaben des Nordkanalverbandes erweitert, ein neuer Verband gegründet oder aber die Aufgaben an den Erftverband übertragen werden. Maßstab für die Umlegung der Kosten könnte hier die jeweilige Grundwasserabsenkung durch die Pumpmaßnahmen sein.

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